"Man muss ja mit beiden Händen verschiedene Dinge tun!"

Ich kam mit 10 zur ersten Klavierstunde, und auch nur, weil mein Bruder monatelang gebettelt hatte, er wolle wie sein bester Freund auch Klavierunterricht bekommen. Meine Mutter dachte, ja, wenn, dann gleich beide Kinder. Aber ich wollte nicht.

Mein Hauptargument war: man muss ja mit zwei Händen verschiedene Dinge machen! Wie kompliziert! Geht gar nicht! (Diese Worte höre ich noch heute oft als Klavierlehrerin.)

Mit 8 Jahren hatte ich Blockflöte gelernt (mein erstes Instrument), sang in einem Flötenchor in der Kirchengemeinde. Ich konnte Noten lesen, hatte Flötenunterricht, trat regelmäßig mit dem Kinderchor auf, und vor allem hatte ich viele Freunde dort. Ich war mit Musik bestens versorgt. Aber ich war auch neugierig.


Emotionsloser und intellektueller Klavierunterricht

Meine Klavierlehrerin und ihr Mann gaben zuhause privaten Klavierunterricht. Er war Konzertpianist, sie eigentlich Cellistin. (Vielleicht lag daran schon der erste Fehler.) Mein Bruder sollte beim Ehemann Klavierunterricht bekommen.

Als Mensch fand ich meine Lehrerin nett; sie war stets fröhlich, jedoch auch streng. Ich habe sie sehr bewundert. Aus heutiger Sicht empfinde ich ihren Unterricht als intellektuell und wenig körperlich, wenig auf Klang oder Emotion bezogen. Ich lernte quasi ein Stück hinter dem anderen wie am Fließband (klar, ich konnte das: ich war 10 Jahre, d.h. im Klavierunterricht bereits intellektuell "belastbar", konnte Noten lesen, hatte Musikerfahrung). Das ging schon - Freude hatte ich wenige dabei.

Die natürliche Konsequenz: ich übte immer weniger. Was ich besonders hasste, waren walzerähnliche Stücke, in denen die linke Hand in jedem Takt hin und her springen musste. Das bekam ich nie auf die Reihe. Sie hat bestimmt versucht, es mir zu vermitteln, doch ich habe es nicht verstanden. Das Gefühl, mit zwei Händen zwei verschiedene Dinge zu machen bestand weiter. Ich habe eigentlich nichts über Musik wirklich gelernt. Ich konnte Stücke spielen, aber Musik war nicht Ausdruck, nur Druck. Und ich war verunsichert. 

Meine Lehrerin fand mich anscheinend trotz allem gut, ließ mich manchmal ihrem Mann vorspielen. Bei den Klassenvorspielen war ich tierisch aufgeregt, aber sie gelangen. Einmal versuchte sie mich zu überreden, bei Jugend Musiziert mitzumachen. Das lehnte ich kategorisch ab. Am stärksten hatte ich etwas dagegen, vorgeführt zu werden. Aber eigentlich hätte ich es gern gemacht. Meine Mutter und sie haben mich (gefühlt) monatelang zu überreden versucht. Als ich schon ja sagen wollte, hörten sie auf. Ich nahm nicht teil.


Wie man erfolgreich mit Klavier aufhört

Nach ca. anderthalb Jahren wollte ich nicht mehr weitermachen. Die Mischung aus Druck und Verunsicherung war mir zu viel geworden. Hände wurden über den Kopf gestürzt, mahnende Worte gesprochen, dann ein letzter Versuch unternommen: ob ich denn beim Ehemann Klavierunterricht bekommen wollte? Ja, ok. Das lief für ein paar Monate. Aus heutiger Sicht empfinde ich ihn als Lehrer kompetent und etwas distant. Vielleicht war es auch schon viel zu spät, um mich mit dieser Art von Unterricht zu "bekehren". Ich hätte etwas anderes gebraucht. Der Wechsel entzündete die Flamme nicht. Da sagte mein Vater: Du kannst aufhören. Ich war 12. Mir fiel ein Stein vom Herzen.


Jetzt bist du an der Reihe

Wenn du bis hierhin gelesen hast, dann bin ich mir sicher, du hast deine eigene Erfahrungen mit Klavier, und daran bin ich jetzt interessiert.

Spielst du Klavier? Hatte dein Kind Klavierunterricht? Hattest du Klavierunterricht? Hast du aufgehört, hast du weitergemacht, hast du das vielleicht studiert…? Unterrichtest du? Ich frage, weil mein Herzprojekt dieses Jahr ist: ein Buch über Klavier und Resonanzlehre zu schreiben. Wo kann dieses Buch dich unterstützen: als Elternteil, als Spieler/in, als Pädagoge/in?

Ich habe eine Umfrage erstellt - vor allem, um einige der Antworten statistisch erheben zu können. Kein Anspruch auf Wissenschaft, nur einmal am Puls fühlen, wie vergangener oder gegenwärtiger Klavierunterricht oder Klavierspiel empfunden wird. Sodass wir gemeinsam Lösungen für den zukünftigen Klavierunterricht finden können.

Du kannst als Elternteil, Schüler/in und/oder Pädagoge/in mitmachen und bekommst nur Fragen, die relevant für dich sind. Die Umfrage dauert nur 3-5 Minuten. Es würde die Welt für mich bedeuten, wenn du mitmachst.

Die Umfrage ist geschlossen. Du kannst mir immernoch deine Erfahrungen per Mail schicken. Schreib mir einfach eine Mail. Ich freu mich, von dir zu hören!



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