Im September habe ich beschlossen, mich fortan vegan zu ernĂ€hren. Aber es ist nicht das, wonach es aussieht.🙈

Irgendwie strĂ€ube ich mich dagegen, mich als »vegan« zu bezeichnen. Das liegt vor allem daran, wie manche Veganer sich mir gegenĂŒber in der Vergangenheit benommen haben.

Eine der »lustigsten« Episoden dahingehend war vor einigen Jahren mit einem Musikerkollegen. Ich hatte ihm bei der einen oder anderen Sache geholfen und er wollte mich zum Essen einladen, um sich bei mir zu bedanken. FrĂŒher las er in meinen Flowlettern mit, heute nicht mehr. Eigentlich seit dem einen Tag, an dem wir gemeinsam Abendessen waren.


Das Restaurant hatte kaum echte vegane Optionen fĂŒr ihn. Auf Nachfrage war die Tagessuppe KĂŒrbis, mit Kokosmilch, die bestellte er sich, zusammen mit einem Salat. Irgendwie muss man ja auf seine Kalorien kommen. Ich wĂ€hlte ein Gericht mit Pute und Kartoffeln, Beilagensalat. Unvermeidlich schwenkte irgendwann die Tischkonversation dann doch auf das Essen.

Manche Veganer können es sich nicht verkneifen, ohne Nachfrage die gesamten wirtschaftlichen und klimatischen Folgen ihrer ErnĂ€hrung aufzuzeigen, inklusive Methanausstoß jeder Kuh in Deutschland, und der Prognose, bis wann unsere Tage auf Erden gezĂ€hlt sind durch den egoistischen und hedonistischen Fleischkonsum von Menschen, die aber auch gar kein Herz fĂŒr die schwĂ€chsten Wesen dieser Erde haben und deren toten Überreste gedankenlos in sich hineinschaufeln.

WĂ€hrend sein Wortschwall auf mich einprasselte, konnte ich in dem Moment nur erwidern, dass ich wohl kaum gedankenlos Fleisch aß, als ob es das selbstverstĂ€ndlichste der Welt wĂ€re. Von der CO2-Bilanz der Kokosmilch mal abgesehen. Stattdessen versuchte ich, jedes Mal bewusst und in Dankbarkeit mein Gericht zu essen, ganz gleich ob auf dem Teller Fleisch lag oder nicht.

Da kreuzten sich bei ihm die Kabel, wie man das so schön auf Spanisch sagt.

Was fiele mir ein, mit dieser Pseudo-Buddhistischen Attitude zu rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen sei. Dieses Argument wĂŒrden, ach, so viele Leute bringen, es könne es nicht mehr hören. Fleisch essen sei das Schlimmste ĂŒberhaupt. Sein Kopf wurde immer röter. Ich habe kein Problem mit Konfrontationen, nur mit einer Sache: Wenn Menschen denken, ihre Überzeugungen seien besser als die der anderen. Er versuchte mit seinem Gerede tatsĂ€chlich zu beweisen, dass ich ein schlechter Mensch war, weil ich Fleisch aß.

Irgendwann musste ich Stopp sagen.

»Du, es reicht. Ich werde nicht aufhören, Fleisch zu essen, egal, wie ĂŒberzeugt du bist. Wir können ja dabei bleiben: agree to disagree.« Ich grinste ihn an, mein Versuch, zu lĂ€cheln.

Da saßen wir beide auf einmal, und es wurde still.

Was kann man sich danach noch sagen? »Wie geht es deinen Eltern?« oder »Wann spielst du wieder in Berlin?« Nein. Nach dieser Unterhaltung konnten wir uns nur noch verabschieden – ein entspanntes GesprĂ€ch war nicht mehr möglich. Mich Ă€rgerte der Gedanke, dass er dachte, er sei besser, nur weil er vegan aß. Wie krank ich das fand (und finde es immer noch). Gemeinsam verließen wir das Restaurant. Wir gingen ein kurzes StĂŒck zusammen, er bog dann zum Bahnhof ab, und das war das Ende der Kommunikation auf allen KanĂ€len.

Solche Episoden kamen mir in den Kopf, als ich beschloss, mich vegan zu ernÀhren.

»Ich bin keine Veganerin.«

Nicht so eine.

Aber vegane ErnĂ€hrung schien der nĂ€chste logische Schritt fĂŒr mich. Seit Februar lasse ich komplett Milchprodukte weg (nicht Laktose, sondern alle Micherzeugnisse), Eier, Sojaprodukte, auch alles weg (ErnĂ€hrung nach Anthony William). Fleisch war bisher ein Weg fĂŒr mich gewesen, etwas Abwechslung in meinen Speiseplan zu bringen. Mit B12 ergĂ€nzte ich bereits, das heißt, ich war schon mit einem Fuß da. Ich musste nur noch »hĂŒpfen«.

Letzte Woche hatten mich zwei Dokumentarfilme zutiefst beeindruckt. Der erste Film beschĂ€ftigt sich mit der Beziehung zwischen Krankheiten wie Diabetes oder Brustkrebs und Fleischkonsum ("What the Health", 2017). Eine SchlĂŒsselszene ist ein Interview mit dem Vorsitzenden der American Diabetes Association. Als die Frage nach der besten ErnĂ€hrung fĂŒr Diabetiker auftaucht, bricht der Vorsitzende die Unterhaltung ab und verlĂ€sst wĂŒtend den Raum. Das muss einem ja zu denken geben. Die Schlussfolgerung des Filmemachers: Die American Diabetes Association ist nur daran interessiert, darĂŒber zu sprechen, wie man MIT Diabetes leben kann und nicht, wie man dank einer gesunden ErnĂ€hrung Diabetes lindern oder sogar heilen kann. Pharma lĂ€sst grĂŒĂŸen.


Der andere Film, »The Game Changers« (2018), spricht ĂŒber Hochleistungssportler, die sich vegan ernĂ€hren – er portraitiert unter anderen den stĂ€rksten Mann der Welt und diverse olympische Sportler, Footballspieler, Leichtathleten, Boxer – Frauen und MĂ€nner, die einen Rekord nach dem anderen brechen, ohne Tiere zu essen. Ich war baff. Warum wird darĂŒber nicht mehr gesprochen? Hier war der SchlĂŒsselmoment ein Experiment mit einem Bluttest genau zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit – der Unterschied nach dem veganen Burrito im Gegensatz zum Fleisch-Burrito war eklatant. So eklatant, dass ich mich fragen musste, »will ich so etwas noch meinem Körper antun?«

Das war's fĂŒr mich. Ich traf die Entscheidung. Ab jetzt – vegan.

Und dann hielt ich inne.

»Mist, bin ich jetzt eine von denen??«

Innerlich strĂ€ube ich mich noch, wenn ich daran denke, dass ich jetzt auch »vegan« bin. Wie die halt. Aber eben nicht wie die. Es war und ist immer noch schwierig, mich mit diesem Wort anzufreunden. Aber es geht mir eigentlich gut damit, weil es der richtige Schritt fĂŒr mich ist. Und egal, wie man es nennt, am Ende sind die Taten wichtig und nicht die Worte.

Es gibt Menschen, die tun Dinge aus Überzeugung, und Menschen, die mĂŒssen andere ĂŒberzeugen.

Die Linie dazwischen ist schmal, und rot, und nicht klar definiert. Auch, wenn wir uns das gerne wĂŒnschen wĂŒrden.



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