Titelbild: Wenn die Welt in dir Platz nimmt

Gedanken vom Freitag, den 25. Februar 2022, dem Tag danach.

Gestern Abend habe ich mich mit einer kleinen Gruppe von Freunden getroffen. Meine kleine Donnerstagsgesellschaft. In der Regel sitzen wir in Kleingruppen und erarbeiten kreative Lösungen zu aktuellen Fragen, oder wie wir uns die Welt in der Zukunft vorstellen. Es ist ein Raum zum Träumen, zum Verbinden, zum Ins-Tun-Kommen.

Gestern Abend war es jedoch eine ganz andere Runde.

Beim Check-In Durchgang kamen viele verschiedene Stimmen zum Ausdruck, von "ich habe große Trauer" zu "ich bin trotzdem voller Hoffnung" zu "ich möchte heute nichts sagen".

Es tat gut, in diesem Kreis zu sitzen, den anderen zuzuhören. Wie sie die aktuelle Situation erleben. Auch, wenn sie etwas sagten, was mir selbst ganz fremd war.

Seitdem ich das erste Modul in der Somatic Experiencing Ausbildung gemacht habe, fühle ich mich, als hätte ich eine neue Brille aufbekommen. Ich schaue durch diese Brille in die Welt – und staune.

Ich staune über unsere Fähigkeit zur Resilienz, und über die Intelligenz des Körpers.

Denn der Körper meldet sehr deutlich, wann das Ende der Fahnenstange erreicht ist:

»Ab jetzt wird's mir zu viel.«

Ein Teil von uns möchte sich noch mehr Berichte anhören oder anschauen. Möchte wissen, warum. Woher kommt das alles? Kann ich es überhaupt verstehen? Und wo kann ich mich informieren?

Der andere Teil in uns möchte erstmal das, was schon wahrgenommen wurde, verdauen. Und vor allem möchte er sich um das Innere kümmern, nicht um das im Außen.

Er schaltet ab. Es ist zu viel geworden. Und wir können nichts dagegen tun – es passiert einfach. Parallel rast unser Geist scheinbar fast an uns selbst vorbei.

Dem Kopf kann es nicht schnell genug gehen.

Dem Körper kann es nicht langsam genug gehen.

Wie verbinden wir diese beiden Geschwindigkeiten?

Denn ich glaube, erst, wenn beide Rhythmen aufeinander hören, beginnen sie, zu harmonieren, miteinander zu schwingen. Der Körper und der Kopf bewegen sich aufeinander zu. Was vorher durcheinander war, kommt in eine höhere Ordnung.

Und es beginnt zu fließen.

Es entsteht Raum in uns.

Und wir beginnen zu fließen.

Dann kann auch neue Information kohärenter von uns aufgenommen werden und durch uns durch gehen.

Dann kann auch die Welt, wie wir sie wahrnehmen, in uns Platz finden.

Es braucht jedoch die Fähigkeit in uns, die Scheinwerfer nach innen, statt nach außen, zu richten.

Dass wir auch mitbekommen, wenn es dem Körper zu viel wird.

Das Nervensystem ist so ein wunderbares Feld, ich bin ganz verliebt in diese Arbeit.

Es ist, als würde ich die Musik des Nervensystems lernen.

Das spielt, so kommt es mir vor, in sehr sanften und leisen Tönen.

Ein feines Instrument, sorgfältig kalibriert, präzise gestimmt.

Und einmalig.

Ein einmaliger Raum, für Resonanz geschaffen.



Die nächste Möglichkeit, kostenlos mit mir zu arbeiten:

Das Unterrichten-Webinar am 5. April



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