Fakt: Das Hauptmaterial, mit dem Musiker*innen arbeiten, ist ihr Klang.

Der Leitsatz der Resonanzlehre lautet: "Je müheloser die Bewegung, desto resonanzreicher der Klang".

Alle Elemente des Musizierens und des Körpers bedingen einander, das heißt, dieser Satz funktioniert auch in seiner umgekehrten Form: "Je resonanzreicher der Klang, desto müheloser die Bewegung".

Der Klang ist hier entscheidend - der Klang spiegelt alles, was wir in Bewegung am Instrument umsetzen. Wir nutzen hier also nicht nur Informationen über das körperliche Wohlbefinden, um Entscheidungen zu treffen, sondern über Klangqualität.

Die Fragen: Wie bewege ich mich?, und zusätzlich auch: Wie klinge ich, wie hört es sich an? machen, dass in den Sitzungen der Klang als entscheidender Faktor in die Methode von Grund auf eingewebt ist.

Bei Alexander-Technik für Musikerinnen oder Feldenkrais für Musikerinnen ist das nicht der Fall: Diese Methoden wurden nicht mit Musik oder Klang als entscheidenden Faktor entwickelt; die Anpassung der Körperarbeit an die Bedürfnisse der Musikerinnen hängt stark von der Qualität ders Lehrer*in ab.



Fakt: Der menschliche Körper ist dem Gesetz der Schwerkraft untergeordnet.

Es gibt ein physikalisches Gesetz, das lautet: "Eine Masse lässt sich am Leichtesten über ihren Schwerpunkt bewegen". Wenn wir bei der Bewegung von den Schwerpunkten ausgehen, ist das die mühelose Bewegung aus dem Leitsatz der Resonanzlehre. Bewegung soll demnach aus dem Schwerpunkt des Körpers initiiert werden, Teilsegmente des Körpers werden über die Teilschwerpunkte (beispielsweise Armschwerpunkt) bewegt. Dafür gibt es in der Resonanzlehre mehrere Sets von Körperübungen (im Stehen, im Sitzen, im Liegen auf dem Rücken, im Liegen auf der Seite, etc), die dem Körper diese Bewegungsqualität einlesen, in anderen Worten, wieder beibringen.

Feldenkrais bestätigt dieses Gesetz der Bewegung aus den Schwerpunkten und die Körperarbeit von Feldenkrais ist größtenteils darauf ausgerichtet.

Bei der Alexander-Technik ist das anders; dort ist der Initiator der Bewegung die sogenannte „Primärsteuerung“, die darin besteht, das Kopfgelenk frei zu haben, sodass der Hals frei wird, sodass der Rücken lang und weit wird, sprich: Bewegungen sollen ab dem Kopfgelenk geführt werden. In meiner Erfahrung verursacht eine Steuerung der Körpers über dem Kopfgelenk eine leicht artifizielle Bewegungsqualität, die bar jeder Spontaneität ist. Es gibt nicht umsonst in der Alexander-Technik Community den Begriff "Alexandroid", für jemanden, der die Kopfsteuerung zu stark übertreibt.



Fakt: Der Körper ist biologisch in der Lage, sich selbst mit ausreichender Atmung zu versorgen.

Sonst würden wir ja nachts beim Schlafen nicht mehr aufwachen. Der Körper steuert die Atmung über das Autonome Nervensystem. Es gibt nur leider einen kleinen Haken.

Viele von uns haben das natürliche Atmen verlernt, durch das wiederholte Eingreifen in das Autonome Nervensystem, etwa durch Stress, durch zu viel Stillsitzen in der Schule, durch das Wiederholte Starren auf einen Bildschirm (Fließt deine Atmung jetzt gerade frei, während du das liest?).

In der Körperarbeit der Resonanzlehre ist mit eingebaut, diese natürliche Verbindung zwischen Bewegung und Atmung wiederherzustellen, indem beim Ausführen der Übungen immer wieder darauf geachtet wird, ob der Atem frei fließt.

Der Körper lernt dadurch, sich selbst zu versorgen und zu organisieren. Beim Anwenden am Instrument gibt es dann unterschiedliche Bedürfnisse für Sängerinnen und Blasinstrumentalistinnen und für die anderen Musiker*innen, die mit ihrer Atmung nicht an die musikalische Phrase gebunden sind. Dazu in diesem Artikel eine Kieferübung, sowie Empfehlungen von mir.

Feldenkrais-Übungen beziehen die Atmung mit ein; es gibt hier viele Überschneidungen mit der Körperarbeit der Resonanzlehre. Es scheint oft hin- und herzugehen zwischen Übungen, in denen die Atmung führt, und solchen, in denen die Atmung folgt. Selbstverständlich ist beides möglich; in der Resonanzlehre wird eher darauf geachtet, dass die Atmung der Bewegung folgt, aus einem ganz einfachen Grund: Später, beim Musizieren, soll die Atmung nebenbei laufen und spontan aus der Bewegung heraus entstehen. In der Körperarbeit der Resonanzlehre trainieren wir den Körper, sich selbst mit ausreichender Atmung zu versorgen.

Bei der Alexander-Technik wird natürlich auch auf eine freie Atmung geachtet - der Weg dahin ist meines Erachtens nur etwas umständlich und unspontan. Es wird darauf Wert gelegt, dass man nur die nötigsten Bewegungen ausführt (manche nennen das Ökonomie der Bewegung), und das bringt den Körper bereits in eine eher „defensive“ Einstellung - dass die Atmung dann frei fließt, ist das Ergebnis jahrelanger Übung mit dieser Technik.



Fünf Wege zum Flow



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