“To be is to do.”— Sartre

“To do is to be.”— Camus

“Do be do be do.”— Sinatra


Nie ist er unter denen, die prämiert werden

Er muss das Spiel mitspielen, weil er nicht anders kann. Wohl ist ihm dabei nicht. Täglich wird in der letzten Schulstunde ein Schüler der Auburn Academy für seine außerordentlichen Leistungen geehrt und nie ist er unter jenen, die geehrt werden, mehr noch: er wird stattdessen gehänselt, schikaniert, gedemütigt. Das ist der Preis, auf eine Eliteschule zu gehen und nicht dazu zu gehören.

Nach Schulschluss lässt er das Geschrei der anderen Kinder über sich ergehen: „Hup’ die Hupe, Goosey!“ - abgegrenzt steht er da, während er auf die Abholung seines Vaters wartet, dem Hausmeister der Schule. Vater und Sohn müssen jeden Tag durch diese Prozedur, diese Qual, aus den falschen Gründen im Mittelpunkt zu stehen. Doch kann das ewig so weitergehen? Und können die Gooseys, sowohl Vater als auch Sohn, zu sich und zueinander stehen?

Der prämierte Kurzfilm "The perfect Gooseys" ist ein starker Beitrag zur Frage zwischen dem Sein und dem Tun. Wie ist es mit der Liebe, wenn wir einfach nur sind? Können wir zulassen, geliebt zu werden, für das, was wir sind, anstatt für das, was wir tun? Müssen wir überhaupt etwas tun oder gar darin herausragen, um geliebt werden zu dürfen?

Der Film erforscht diese Frage auf spielerische Weise, in einer etwas eigenen, ironisch übertriebenen Realität, die fast komisch anmutet. In der Wirklichkeit spielen sich diese Dinge auf subtilere Weise ab. Eltern stellen die Leistungen ihrer Kinder nicht so derart übertrieben zur Schau wie in diesem Film. Und doch, Kinder bekommen mit, wenn sie wegen ihrer herausragenden Leistung geliebt werden. Einige Kinder verstehen, dass das die Schiene ist, um die Liebe der Eltern zu gewinnen. Alles, was hilft. In Wahrheit stellt sich die Leistung zwischen der Kinder und der elterlichen Liebe. Nur, dass das die wenigsten mitbekommen. Manchmal viel später im Leben.

Warum machen wir Musik?

Wenn wir uns anfangen zu fragen, warum wir Musik machen kann es sein, dass wir auf so einen Ursprung stoßen. Dass wir zur Musik gekommen sind, um die elterlichen Werte zu teilen oder weil unsere Eltern uns dazu animiert haben, oder gar um das komplette Gegenteil zu machen, was sich unsere Eltern für uns gewünscht hätten. Und wenn schon. Es ist nicht mehr so wichtig, was der Nährboden dieser Entscheidung war. Viel wichtiger ist doch, dass wir uns dessen bewusst sind, welche Grundannahmen noch gültig sind für uns. Ob wir, ohne es zu merken, über uns selbst hinausgewachsen sind, und neue Werte für uns gelten.

Und vielleicht, nur vielleicht, können wir nach einer Zeit, da diesem Wissen in uns ruht, wieder das Sein in unserem Tun wiederfinden. Dass Musik in uns einfach nur ist. Eine Bewegung, die darauf wartet, von innen heraus ausgedrückt zu werden, und nicht von außen draufgedrückt.

Ein kleiner Unterschied, der große Veränderung bewirkt.



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